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Laienspiritualität 25: Egal was, wie und wem Sie für Ihre Spiritualität glauben, oder auch nicht,
Sie können es in eigener Verantwortung und Überzeugung tun.

Beim teilweisen oder ganzen "In-die-Hand-nehmen" Ihres Glaubens mögen Ihnen meine Abhandlungen
und Linkangaben helfen.

© Rudolf Fiala, 30.8.2009, Nachtrag 31.8.,  Plausibilitätscheck 31.5.2022
 

Schrödingers Katze: Ein schwaches Plagiat der Religion

Eine erheiternde, aber seriöse Hypothese.


Da hat der Physiker Schrödinger doch glatt das Konstrukt seiner Katze in der geschlossenen Kiste mit irgend welchen zeitabhängigen Ortseinflüssen als seine Geistestat ausgegeben.

Für Jene, die mit dem Begriff Schrödinges Katze nichts anfangen können, hier in Wikipedia hochwissenschaftlich quantenphysikalisch erklärt.
Auch mit diesen quantenphysikalischen Details kann man einen gewissen Spaß haben, wenn man die Quantenphysik mit der Religion "schröderisiert".

Dass Gott ja auch irgendetwas mit Quanten zu tun hat - oder haben könnte - ist doch unbestreitbar, oder?

Allerdings ausgerechnet Stephen Hawking erklärt,
„Wenn ich jemanden von Schrödingers Katze sprechen höre, greife ich nach meinem Gewehr!" Das hat wohl auch den Charme einer gewisse Logik.

Warum ich das einer spirituellen Abhandlung für wert halte?

Zwecks Bewusstmachung:

A) Vor Schrödinger hat kaum jemand über dieses Problem des geschlossenen Raumes mit dem unbestimmbaren Zustand eines Inhalt nachgedacht.

7.9.2009: diese Vermutung muss ich widerrufen, da heute bei einem Schulanfangsgottesdienst eine Geschichte aus dem Talmud erwähnt wurde, in der eine Maus in der Hand verborgen ist und ein Weiser gefragt wird, ob sie lebe oder tot ist. Statt Schrödingers radioaktiver Strahlung als chaotische Ursache wird der von der Antwort des Weisen abhängige Tötungswille des Maushalters der in der Hand verborgenen Maus als Diskriminante verwendet.
In der Originalgeschichte wird der Weise gefragt, ob die verborgene Maus lebe oder tot ist. Der Mausbesitzer ist aber unbedingt gewillt, die Antwort des Weisen als falsch zu entlarven. Wenn der Weise also sagen würde, dass die Maus lebt, würde er sie vor dem Zeigen noch schnell erdrücken.

Der offensichtlich doch weise Weise antwortet: "Die Antwort liegt in deiner Hand!" Schlau, nicht wahr?

Ungekürzte Fassung: Nachtrag hier unten
 


B) Die Religionen sind seit Tausenden von Jahren "Schrödingerkatzen in verschlossenen bezw. nicht aufschließbaren Boxen". Ohne jede Chance festzustellen, ob die jeweilige Katze lebt, tot ist und im Fall der Religionen je überhaupt darinnen gewesen ist! Katzen, die alle den Gattungsnamen "Cattus rel. aporius" (*) tragen!

Zu dieser letzten hypothetischen Frage, ob die Katze überhaupt drinnen ist oder nur eine Illusion ist, musste sich Schrödinger gar nicht den Kopf zerbrechen. Der Glückliche!

Tja, hatte Schrödinger vielleicht gar nur seine religiösen Erkenntnisse in ein physikalisches Modell umgesetzt?

Nun könnte ich versuchen, den verschröderten Zusammenhang von geheimnisvollen Schriften, imaginären und realen Boxen, Büchsen, Laden, Reliquienschreinen, Glassärgen und sonstigen tabuisierten Behältern mit und ohne Versiegelung breitzuwalzen. Was am Wirklichkeits- und/oder Wahrheitsgehalt kaum etwas ändern würde.

Ich mache es mir leicht und wiederhole obigen Punkt B):

Die Religionen/Traditionen sind seit Tausenden von Jahren "Schrödingerkatzen-Äquivalente in verschlossenen bezw. nicht aufschließbaren zum Geheimnis gemachten fiktiven Boxen". Ohne jede Chance festzustellen, ob die jeweilige Katze lebt, tot ist und im Fall der Religionen je überhaupt darinnen gewesen ist!

So ist es seit Jahrtausenden und so scheint es bis auf Weiteres auch zu bleiben.
Mit, ohne und trotz jeder beliebigen menschengeschaffenen Ekklesiologien samt deren dogmatischen Behauptungen.

Wenn ich mir jetzt noch vorstelle, wieviele tausende von "Forschern und angeblich Wissenden" seit undenklichen Zeiten um die "Geheimnis-Kisten" der traditionellen Theologie herumarbeiten, sie abhorchen, öffnen/offenbaren oder zerstören wollen und bis zu welchem Aufwand das betrieben wird - bis zum Large Hadron Collider samt Suche nach dem "Gottesteilchen" - erfüllt mich das mit Heiterkeit. Dient ja alles bestens einer humanen Arbeitsplatzsicherung. Fantasievolle und unbeweisbare "Verkündigung" (verschleiernder Fachbegriff "Kerigma") halten das bestens am Laufen.

Nachtrag 31.8.09:
Die Echtheit des Inhalts
des Evangelien-Schatzkästchens wird durch die logisch fundierte Bibel-, Evangelien- und Jesusforschung immer mehr anzweifelbar, wozu weiters noch die Diskrepanzen der 3 synoptischen Evangelien zum Johannes-Evangelium beitragen. Fundamentalismus, Biblizismus und Evangelikalismus stehen auf immer wackligeren Beinen. Was im Sinne einer festen kirchlichen Glaubensbasis einerseits natürlich sehr bedauerlich ist, andererseits aber für die "Gläubigkeit an sich", also dogmenfrei, die Chance eröffnet, sich "ganz offiziell" von der Behinderung durch alle in Frage zu stellenden Traditionen zu befreien.

Meine Reformierte Kirche ist in diesem Befreiungsprozess schon ganz gut unterwegs, sinngemäß aus der Kirchenverfassung:
(Das war auch Teil der Predigt von Pfarrer Johannes Langhoff am 30.8.2009)

Freiheit innerkirchlich: Die Reformierten haben eine Abneigung gegen jede Art von Hierarchie. Sie wollen keine Bischöfe und Kirchenleitungen, die „regieren“ wollen. Die Kirche Jesu Christi zeigt sich ganz konkret in der autonomen Einzelgemeinde. Freiheit im Leben der Gemeinde, d. h. keine Pfarrherrschaft! Also gibt es grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Pfarrern und Laien. Jeder ist im Grunde genommen berechtigt, alles zu tun: zu predigen, zu lehren, die Gemeinde zu lenken und zu behüten, Diakonie und Sozialarbeit zu betreiben.

Die Basis: Gott schenkt Freiheit. „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten, aus der Sklaverei befreit hat, du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ So stellt Gott sich im ersten Gebot der Zehn Gebote vor, welche die Reformierten wörtlich aus dem Alten Testament übernommen haben. Das erste Gebot wird zu einer Mahnung, dass man sich die gottgeschenkte Freiheit nicht wieder rauben lässt, indem man sich freiwillig in die Abhängigkeit von falschen Göttern begibt. Daraus entwickelte sich die Überzeugung, dass es um der Gerechtigkeit willen geboten sei, auf legalem Wege Widerstand zu leisten. Heute nimmt die reformierte Kirche international gesehen diese Tradition auf, indem sie tätige Sympathie mit allen Menschen dieser Welt empfindet, die unfrei leben müssen, rechtlos und arm sind. Auch die Arbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen ist von dieser reformierten Theologie geprägt.
Ende des Nachtrags.

Nach diesen schwerwiegenden Texten wieder etwas heiterer:
Arbeitsplatzsicherung: Stellen Sie sich vor, JETZT würde sich Gott als "Person" - in welcher Form auch immer - nachhaltig und öffentlich offenbaren: Millionen von arbeitslosen Ekklesiologen in Forschung, Lehre, Hierarchienpflege, sonstiges Kirchen- und Ämterpersonal, Druckereien, Internettraffic, etc. etc. Der Glaube wäre kein gutes Geschäft mehr. Die Raterei, Interpretiererei und Verkünderei hätte ein plötzliches Ende.

Dagegen Massen an verstörten Atheisten auf dem zähen Wege der Bekehrung. Die nachträglich "es ja eh gewusst haben"; welches "es" auch immer.

Und ich und andere Schreiberlinge hätten auch nichts mehr abzuhandeln ...
Daher hätten wir suchenden Agnostiker viel weniger Spirituelles zu lesen ... , fad. Wirklich fad!

Und trotzdem ..., die sehnsuchtsvolle Gläubigkeit verlangt nach dieser Offenbarung aus tiefstem Herzen. Non plus ultra ....
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Rudolf Fiala
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(*)The free dictionary "Aporie": Verlegenheit, Ratlosigkeit, Ausweglosigkeit

Wikipedia Deutsch - Die freie Enzyklopädie:
Unter Aporie (griech. ἀπορία, Ratlosigkeit, von gr. o πόρος, der Weg, a poros eigtl. „Ausweglosigkeit“) versteht man im Zusammenhang mit Sokrates eine unauflösbare theoretische Problemstellung, die die paradoxe Erkenntnis des eigenen Nichtwissens ermöglicht: Sokrates führt seine Gesprächspartner dabei mit Hilfe der Elenktik (Anmerkung: griech. "Kunst der Überführung") in die Aporie, um sie so auf die Suche nach Wahrheit (griech. αλήθεια) zu leiten. Die platonischen Dialoge als Zeugnisse dieser philosophischen Strategie enden sämtlich aporetisch.

Hans-Martin Barth, ein sehr geschätzter aktueller evangelischer Autor ("Luther kritisch betrachtet") verwendet den Begriff "Aporie" in seinen religiösen Werken, zB. in "Authentisch glauben", erschienen 2010. Er umschreibt damit die Empfindung aus der Tatsache, dass keinerlei Gottesbehauptungen in allen schriftlichen Quellen (Bibel) und die angeblich handelnden Personen (zB. ist Jesus tatsächlich Gottessohn?) als wirklich und/oder wahr beweisbar sind. Somit alle 3 Wortbegriffe für den "organisierten Glauben" leider - quasi schulterzuckend - als unwidersprechbar gültig betrachtet werden müssen. Was letzendlich nur mehr die persönliche Gläubigkeit als ultima ratio bestehen lässt. Samt der intensiv von vielen Ekklesiologen gehassten - da unkritisierbaren - dogmenfreien, nicht in Regeln und Traditionalismen zwingbaren Privatoffenbarungen. "Mensch sei Dir selbst genug": unerträglich für einflussfixierte Kleriker!


Nachtrag: Die ungekürzte Mausgeschichte

Es liegt allein in Eurer Hand

In einem fernen Ort lebte ein alter weiser Mann. Er war beliebt im ganzen Land. Wann immer einer seiner Mitmenschen Sorgen hatte, ging er zu ihm, um Rat zu holen; denn der alte weise Mann konnte aus einer reichen Lebenserfahrung schöpfen und gab stets guten Rat.

Dies wiederum machte seine Mitbürger neidisch, die selbst gern für klug und weise gehalten worden wären. Sie beschlossen dem alten Mann eine Falle zu stellen. Aber wie? Nach längerem Nachdenken kam man auf folgende Idee:

Man wollte ein winziges Mäuslein fangen, es dem alten Mann in der geschlossenen Hand präsentieren und ihn fragen, was sich in der Hand befinde. Sollte der alte Mann die Frage wider Erwarten richtig beantworten, so würde er mit Sicherheit an einer weiteren Frage scheitern, nämlich der, ob es sich bei dem Mäuslein um ein lebendes oder um ein totes handele. Würde er nämlich sagen, es handele sich um ein lebendes, so könne man die Hand zudrücken und das Mäuslein sei tot. Würde er hingegen sagen, es handele sich um ein totes Mäuschen, so könne man die Hand öffnen und das Mäuschen herumlaufen lassen.

So vorbereitet, erschien man vor dem alten weisen Mann und fragte ihn wie beabsichtigt.

Nach wenigen Überlegungen antwortete der alte weise Mann auf die erste Frage: „Das was ihr in der Hand haltet, kann nur ein winziges Mäuslein sein.“

„Nun gut“, sagten die Neidischen, „da magst du recht haben, aber handelt es sich um ein lebendes oder um ein totes Mäuslein?“ Der alte weise Mann wiegte seinen Kopf eine Weile hin und her, dann schaute er seinen Mitbürgern in die Augen und sagte:

„Ob das, was ihr in der Hand habt, lebt oder tot ist, das liegt allein in eurer Hand.“